Untenstehend finden Sie eine hierarchische Liste aller planarer Strukturen, welche im Hierarchischen Glossar der Geologischen Bundesanstalt  veröffentlicht sind. Sämtliche Begriffe finden sich auch im Online-Thesaurus der GBA.

Zitiervorschlag: Huet, B., Reiser, M. & Grasemann, B. (2020): Hierarchisches Glossar planarer, linearer Strukturen und Bewegungsrichtungs-indikatoren. Hierarchical glossary for planar, linear structures and transport direction indicators. – Berichte der Geologischen Bundesanstalt, 138, 57 S., Wien

Dateneingabe und technische Umsetzung: Markus Palzer-Khomenko

IDplanare_StrukturDefinitionAnwendungshinweisQuelleHierarchieEbene_1Ebene_2Ebene_3Ebene_4Ebene_5Sortierung
280Planare StrukturEine planare Struktur ist eine zweidimensionale geologische Struktur, d.h. eine flächige, unterscheidbare geometrische Form in einem Gestein (nach Passchier & Trouw, 2005).Auch wenn eine planare Struktur strenggenommen keine Ebene ist und Teil einer komplexen Fläche sein kann, ist sie lokal als Ebene darstellbar und kanndaher mit einem geologischen Kompass eingemessen werden. Gemäß Konvention, wird die Clar-Notation an der Geologischen Bundesanstalt verwendet. Die Orientierung einer planaren Struktur wird mit Fallrichtung (ein Winkel zwischen 0° und 360°, von Nord ausgehend im Uhrzeigersinn zunehmend) und Fallwinkel (ein Winkel zwischen0° und 90°, von horizontal bis vertikal zunehmend) charakterisiert. Zum Beispiel, 090/53 entspricht einer Fallrichtung von 90° (d.h. nach Ost) und einem Fallwinkel von 53°.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanare Struktur_____100000
281AderEine Ader ist ein Extensionsbruch oder ein Hybridbruch, der mit ausgefällten Mineralen gefüllt ist (nach Twiss & Moores, 2007).Da eine Ader als Volumen definiert ist, sollte gemäß Konvention eine fiktive Fläche, die der Symmetrieebene entlang der Längsachse der Ader entspricht,gemessen werden.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfAderAder____110000
282AchsenflächeEine Achsenfläche ist eine gedachte Fläche, die durch die Punkte der größten Krümmung mehrerer, zusammen verfalteter planarer Strukturen definiert ist(nach Neuendorf et al., 2011)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfAchsenflächeAchsenfläche____120000
283Achsenfläche einer RutschfalteEine Achsenfläche einer Rutschfalte ist eine gedachte Fläche, die durch die Punkte der größten Krümmung des sedimentären Lagenbaus in gravitativ deformierten, weichen Sedimenten definiert ist (nach Neuendorf et al., 2011; Reineck & Singh, 1973)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfAchsenfläche ==> Achsenfläche einer RutschfalteAchsenflächeAchsenfläche einer Rutschfalte___121000
284BruchEin Bruch bezeichnet eine Oberfläche, an der Gestein oder Minerale zerbrochen sind, d.h. eine Oberfläche an der das Material seine Koh¨asion verloren hat (nach Twiss & Moores, 2007).Brüche werden anhand der Relativbewegung, durch welche die Bruchfläche entstanden ist, unterschieden. Bei Extensionsbrüchen (oder Modus I Brüchen) steht die Relativbewegung senkrecht auf die Bruchfläche, im Gegensatz dazu verläuft die Relativbewegung bei Scherbrüchen parallel zur Bruchfläche. Bei Modus II Scherbrüchen spricht man von einer gleitenden Bewegung senkrecht auf die Bruchfront. Modus III Scherbrüche zeigen eine gleitende Bewegung parallel zur Bruchfront (Twiss & Moores, 2007). Eine Kombination der obengenannten Modi, also ein Bruch, dessen Versatzkomponenten sowohl parallel als auch orthogonal zur Bruchfläche liegen, ist ein Hybridbruch (Ramsey & Chester, 2004).http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfBruchBruch____130000
285Antithetische RiedelscherflächeEine antithetische Riedelscherfläche ist ein untergeordneter Scherbruch, der sich bei einfacher Scherung in einem spitzen Winkel (ca. 70° bis 80°) zu einemHauptscherbruch bildet (nach Twiss & Moores, 2007).Eine antithetische Riedelscherfläche steht antithetisch zum Hauptscherbruch, d.h. sie ist gegen die Bewegungsrichtung geneigt und zeigt einen Schersinn entgegengesetzt zum Hauptscherbruch. Der spitze Winkel, der von den Spuren der antithetischen Riedelscherfläche und dem Hauptscherbruch gebildet wird zeigt die relative Bewegungsrichtung des Blocks der die antithetische Riedelscherfläche beinhaltet (Twiss & Moores, 2007).http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfBruch ==> Antithetische RiedelscherflächeBruchAntithetische Riedelscherfläche___131000
286HarnischflächeEine Harnischfläche ist eine glatte, oft auch polierte Oberfläche, z.T. mit Harnischstriemung, die sich als Scherbruch aufgrund von Scherung entlang einerStörung oder in einer Störungsletten bildet (nach Twiss & Moores, 2007).Auf Deutsch wird der Begriff ”Harnisch“ sowohl für eine planare Struktur (die hiermit definierte Harnischfläche), für eine lineare Struktur (die Harnischstriemung) als auch für eine Struktur, die Harnischfläche und Harnischstriemung umfasst, verwendet (Reuther, 2012). Diese Verwechslungsgefahr existiert in der englischsprachigen Terminologie nicht.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfBruch ==> HarnischflächeBruchHarnischfläche___132000
287KluftEine Kluft ist ein Bruch, der einen sehr geringen Versatz senkrecht zu seiner Fläche und keinen bis sehr geringen Versatz parallel dazu zeigt (nach Twiss &Moores, 2007)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfBruch ==> KluftBruchKluft___133000
288Sekundäre synthetische RiedelscherflächeEine sekundäre synthetische Riedelscherfläche ist ein untergeordneter Scherbruch, der sich bei einfacher Scherung in einem kleinen Winkel (ca. 10° bis 20°) zu einem Hauptscherbruch bildet. Bezogen auf die Hauptscherbruchfläche ist die sekundäre synthetische Riedelscherfläche symmetrisch zur Orientierung der synthetischen Riedelscherfläche (nach Twiss & Moores, 2007)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfBruch ==> Sekundäre synthetische RiedelscherflächeBruchSekundäre synthetische Riedelscherfläche___134000
289Synthetische RiedelscherflächeEine synthetische Riedelscherfläche ist ein untergeordneter Scherbruch, der sich bei einfacher Scherung in einem kleinen Winkel (ca. 10° bis 20°) zu einem Hauptscherbruch bildet (nach Twiss & Moores, 2007).Eine synthetische Riedelscherfläche ist synthetisch zum Hauptscherbruch, d.h. subparallel dazu und mit dem gleichen Schersinn. Der spitze Winkel,der von der synthetischen Riedelscherfläche und dem Hauptscherbruch gebildet wird, zeigt in die Bewegungsrichtung des Blocks mit der synthetischen Riedelscherfläche (Twiss & Moores, 2007).http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfBruch ==> Synthetische RiedelscherflächeBruchSynthetische Riedelscherfläche___135000
290DeformationsbandEin Deformationsband ist eine mm mächtige Zone, an der sich Kompaktion, Scherung und/oder Dilatation lokalisiert und die in porösen Gesteinen (z.B. Sandstein, Tuff) auftritt (nach Fossen, 2016).Je nach Kinematik lassen sich Deformationsbänder drei Endgliedern zuordnen: Scherdeformationsbänder, Dilatationsbänder und Kompaktionsbänder(Fossen, 2010).http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfDeformationsbandDeformationsband____140000
291GletscherschliffEin Gletscherschliff ist eine, durch glaziale Erosion geschliffene, polierte Festgesteinsoberfläche, die glaziale Striemungen und/oder Eisfließrichtungsindikatoren (z.B. ”rat tail“) enthalten kann (nach Steinbichler et al., 2019).Der Begriff ”Gletscherschliff“ gehört auch zur Klassifikation der Geomorphologischen Einheiten als Teil des Themas Quartär und Massenbewegung (Steinbichler et al., 2019). Auf Deutsch wird der Begriff ”Gletscherschliff“ sowohl für eine planare Struktur (der hiermit definierte Gletscherschliff), für eine lineare Struktur (die glaziale Striemung) möglicherweise verknüpft mit einem Eisfließrichtungsindikator (wie ein ”rat tail“) als auch für eine Struktur, die Gletscherschliff und glaziale Striemung umfasst, verwendet. Diese Verwechslungsgefahr existiert in der englischsprachigen Terminologie nicht. In der hier präsentierten Definition sollte ein Gletscherschliff nur als planare Struktur verwendet werden.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfGletscherschliffGletscherschliff____150000
292KontaktEin Kontakt ist eine planare oder unregelmäßige Grenzfläche zwischen zwei unterschiedlichen Gesteinseinheiten, die durch sedimentäre, magmatischeund/oder tektonische Prozessen entstehen kann (nach Neuendorf et al., 2011).Ein Kontakt kann konkordant (er liegt parallel zum planaren Gefüge beider Einheiten) oder diskordant (er schneidet das planare Gefüge mindestens einerEinheit) sein.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontaktKontakt____160000
293DiskordanzEine Diskordanz ist eine durch Erosion oder primären Schichtausfall bedingte Oberfläche zwischen zwei Gesteinseinheiten. Diese entspricht einem Zeitsprungoder einer Diskontinuität in einer Schichtfolge (nach Martin et al., 2002).Die unterschiedlichen Arten von Diskordanzen (”disconformity“, ”nonconformity“, Winkeldiskordanz, ”paraconformity“) sind derzeit nicht unterschieden. Sie können aber im Glossar wenn nötig hinzugefügt werden.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontakt ==> DiskordanzKontaktDiskordanz___161000
294Intrusiver KontaktEin intrusiver Kontakt bezeichnet den Kontakt zwischen einem magmatischen Gestein und dessen Nebengestein (nach Twiss & Moores, 2007)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontakt ==> Intrusiver KontaktKontaktIntrusiver Kontakt___162000
295Tektonischer KontaktEin tektonischer Kontakt ist der Kontakt zweier Einheiten, die gegeneinander bewegt wurden (nach Twiss & Moores, 2007).Ein tektonischer Kontakt kann nicht nur eine Fläche zwischen zwei Gesteinseinheiten in einem Aufschluss sein, sondern auch ein deformiertesGesteinsvolumen bezeichnen. In diesem Fall werden drei mögliche Methoden empfohlen, um die Orientierung des tektonischen Kontakts zu beschreiben: (1) die Oberfläche des deformierten Gesteinsvolums wird lokal eingemessen; (2) eine fiktive Ebene, die der mittlernen Orientierung desdeformierten Gesteinsvolums entspricht wird eingemessen; (3) die Orientierung einer fiktiven Ebene aus drei Punkten (mit Koordinaten und Höhe) entlang des tektonischen Kontaktes wird berechnet (z.B. mit einer geologischen Karte und einem digitalen Höhenmodel, vgl. Tearpock & Bischke,2010).http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontakt ==> Tektonischer KontaktKontaktTektonischer Kontakt___163000
296ScherzoneEine Scherzone ist ein tektonischer Kontakt, der als planare, oft breite Zone lokalisierter, relativ intensiver und kontinuierlicher, nicht-koaxialer Deformationauftritt. Im weiteren Sinne ist eine Scherzone auch ein tektonischer Kontakt, an dem die dominanten Deformationsmechanismen duktil sind. Diese umfassen dynamische Rekristallisation, Diffusionsstoffaustausch, Versetzungskriechenund/oder Korngrenzengleiten (nach Hintersberger at al., 2017).Der Begriff ”Scherzone“ gehört zur Klassifikation tektonischer Grenzflächen (Hintersberger at al., 2017). In der Englischsprachigen Literatur werden die Begriffe ”Störung“ und ”Scherzone“ oft synonym, d.h. ohne Differenzierung des kontinuierlichen Aspekts der Deformation und der Deformationsmechanismen verwendet. Die eindeutige Zuordnung, ob ein tektonischer Kontakt eine (spröde) Störung oder eine (duktile) Scherzone ist, kann aus den folgenden Gründen Schwierigkeiten bereiten: (1) Scherzonen benötigen einen Vorläufer, entweder eine lithologische Heterogenität oder eine spröde Störung um sich zu lokalisieren (Pennacchioni & Mancktelow, 2018). Scherzonen können daher als spröde Störungen beginnen. (2) Anzeigerfür spröde und duktile Deformationsmechanismen können am gleichen tektonischen Kontakt auftreten. Zum Beispiel kann die Deformation in einem verformten Granit durch sprödes Zerbrechen von Feldspat und dynamische Rekristallisation von Quarz aufgenommen werden (Handy et al., 1999). (3) Duktile Scherzonen können während einem nachfolgenden tektonischen Event als spröde Störungen reaktiviert werden und umgekehrt. (4) Während eines seismischen Zyklus können sich, in Perioden langsamer Bewegung, duktile Mikrostrukturen bilden, wohingegen es während eines Erdbebens zur Bildung spröder Mikrostrukturen kommen kann (Trepmann & Seybold, 2018). Eine genaue Charakterisierung der dominanten Deformationsmechanismen, die den Großteil der Deformation in einem tektonischen Kontakt aufnehmen, ist daher essentiell. Im Zweifelsfallsollte der hierarchisch höhere Begriff ”Tektonischer Kontakt“ verwendet werden. Der Begriff ”Scherzone“ ist unabhängig des betrachteten Maßstabs, d.h. eine Scherzone kann sowohl für die Deformation in einem Aufschluss, als auch in der Lithosphäre relevant sein.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontakt ==> Tektonischer Kontakt ==> ScherzoneKontaktTektonischer KontaktScherzone__163100
297Scherzone mit FiederspaltenEine Scherzone mit Fiederspalten ist eine Scherzone, die gestaffelt angeordnete Adern enthält. Diese Adern bilden sich als Füllung von Extensionsbrüchen, die ungefähr orthogonal auf die instantane Streckungsrichtung stehen. Durch fortschreitende Deformation rotieren die Adern, während die Spitzen der Brüche in Richtung der instantanen Verkürzungsrichtung propagieren. Dadurchkönnen diese eine sigmoidale Form annehmen (nach Twiss & Moores, 2007).Der Deformationsmechanismus in der Scherzone ist duktil (Lösungsprozesse), während die Öffnung der Klüfte unter spröden Bedingungen erfolgt. Dasgelöste Material wird über Fluide transportiert und in den Klüften ausgefällt.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontakt ==> Tektonischer Kontakt ==> Scherzone ==> Scherzone mit FiederspaltenKontaktTektonischer KontaktScherzoneScherzone mit Fiederspalten_163110
298StörungEine Störung ist ein tektonischer Kontakt, der zwischen zwei Gesteinseinheiten mit paralleler Bewegung als diskrete, planare Grenzfläche mit diskontinuierlicherDeformation auftritt. Im weiteren Sinne, ist eine Störung auch ein tektonischer Kontakt, in dem die dominanten Deformationsmechanismen spröd sind. Diese umfassen Zerbrechen, friktionelles Gleiten und/oder Kataklase mit zusätzlichem Diffusionsstoffaustausch (nach Hintersberger et al., 2017).Der Begriff ”Störung“ gehört auch zur Klassifikation tektonischer Grenzflächen (Hintersberger at al., 2017). In der Englischsprachigen Literatur werden die Begriffe ”Störung“ und ”Scherzone“ oft synonym, d.h. ohne Differenzierung des kontinuierlichen Aspekts der Deformation und der Deformationsmechanismen verwendet. Die eindeutige Zuordnung, ob ein tektonischer Kontakt eine (spröde) Störung oder eine (duktile) Scherzone ist, kann aus den folgenden Gründen Schwierigkeiten bereiten: (1) Scherzonen benötigen einen Vorläufer, entweder eine lithologische Heterogenität oder eine spröde Störung um sich zu lokalisieren (Pennacchioni & Mancktelow, 2018). Scherzonen können daher als spröde Störungen beginnen. (2) Anzeigerfür spröde und duktile Deformationsmechanismen können am gleichen tektonischen Kontakt auftreten. Zum Beispiel kann die Deformation in einem verformten Granit durch sprödes Zerbrechen von Feldspat und dynamische Rekristallisation von Quarz aufgenommen werden (Handy et al., 1999). (3) Duktile Scherzonen können während einem nachfolgenden tektonischen Event als spröde Störungen reaktiviert werden und umgekehrt. (4) Während eines seismischen Zyklus können sich, in Perioden langsamer Bewegung, duktile Mikrostrukturen bilden, wohingegen es während eines Erdbebens zur Bildung spröder Mikrostrukturen kommen kann (Trepmann & Seybold, 2018). Eine genaue Charakterisierung der dominanten Deformationsmechanismen, die den Großteil der Deformation in einem tektonischen Kontakt aufnehmen, ist daher essentiell. Im Zweifelsfallsollte der hierarchisch höhere Begriff ”Tektonischer Kontakt“ verwendet werden. Der Begriff ”Störung“ ist unabhängig des betrachteten Maßstabs, d.h. eine Störung kann sowohl für die Deformation in einem Aufschluss, als auch in der Lithosphäre relevant sein.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfKontakt ==> Tektonischer Kontakt ==> StörungKontaktTektonischer KontaktStörung__164000
299Planares GefügeEin planares Gefüge ist ein Set planarer Strukturen, die mesoskopisch beobachtbar, penetrativ und wiederholt in einem Gesteinsvolumen ausgebildet sind (nach Passchier & Trouw, 2005).Gemäß Konvention kann die Penetrativität und das wiederholte Auftreten einer planaren Struktur mesoskopisch (d.h. ohne Mikroskop) im Maßstabeiner Probe oder eines Aufschlusses, bestimmt werden. Daraus folgt, dass ein einzelnes Scherband nicht als Teil eines planaren Gefüges gelten kann und mehrere Störungen mit ähnlicher Orientierung, die sich entlang eines Kilometerlangen Profils wiederholen, nicht als Gefüge bezeichnet werden können. Jedoch wird eine große Anzahl an parallelen Schieferungsflächen innerhalb von ein paar Zentimetern oder Dezimetern als Teil eines planaren Gefüges angesprochen. Der Begriff ”Foliation“ wird manchmal synonym zu einem planaren Gefüge verwendet (vgl. Passchier & Trouw, 2005). Es wird hier jedoch empfohlen, Foliation nur für die Beschreibung eines sekundären planaren Gefüges zu verwenden.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares GefügePlanares Gefüge____170000
300Primäres planares GefügeEin primäres planares Gefüge ist ein planares Gefüge, welches durch den ursprünglichen Gesteinsbildungsprozess (sedimentär oder magmatisch), also noch vor einer Überprägung durch Deformation oder Metamorphose, entsteht (nach Passchier & Trouw, 2005). Es definiert sich durch eine Abfolge tafeliger Einheiten, welche deutliche Variationen der mineralogischen, chemischen und/oder (mikro-)strukturellen Eigenschaften zeigen (nach Neuendorfet al., 2011)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares GefügePlanares GefügePrimäres planares Gefüge___171000
301Magmatischer LagenbauEin magmatischer Lagenbau ist ein primäres planares Gefüge, das aus Prozessen hervorgeht, die in einem Magma oder einer Lava wirken (nach Concept Definition Task Group of IUGS CGI Interoperability Working Group, 2012).Gemäß Konvention werden Migmatite als metamorphe Gesteine und nicht als magmatische Gesteine betrachtet (Fettes & Desmons, 2007). Der Begriff”magmatischer Lagenbau“ sollte deshalb nicht verwendet werden, um das planare Gefüge eines Migmatits zu charakterisieren.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares Gefüge ==> Magmatischer LagenbauPlanares GefügePrimäres planares GefügeMagmatischer Lagenbau__171100
302Sedimentärer LagenbauEin sedimentärer Lagenbau ist ein primäres planares Gefüge, welches aufeinanderfolgende Lagen in einem geschichteten sedimentären Gestein sichtbar vonüber- und unterlagernden Schichten trennt (nach Neuendorf et al., 2011). Die Lagen sind an Diskontinuitäten gebunden, welche mit Ereignissen in ihrer Ablagerungsgeschichte, wie z.B. Sedimentationswechsel oder Korngrößenwechsel, zusammenhängen (nach Concept Definition Task Group ofIUGS CGI Interoperability Working Group, 2012)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares Gefüge ==> Sedimentärer LagenbauPlanares GefügePrimäres planares GefügeSedimentärer Lagenbau__171200
303LaminationLaminationen sind typischerweise in Schiefertonen, Siltsteinen, feinkörnigen Sandsteinen oder Karbonatgesteinen (z.B. bituminöse Gesteine, Algendolomite,Stromatolithe) ausgebildet._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares Gefüge ==> Sedimentärer Lagenbau ==> LaminationPlanares GefügePrimäres planares GefügeSedimentärer LagenbauLamination_171210
304SchräglaminationEine Schräglamination ist eine Lamination mit schräg zum gesamten sedimentären Lagenbau verlaufenden Laminae (nach Reineck, 1984)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares Gefüge ==> Sedimentärer Lagenbau ==> Lamination ==> SchräglaminationPlanares GefügePrimäres planares GefügeSedimentärer LagenbauLaminationSchräglamination171211
305SchichtungSchichtung ist ein sedimentärer Lagenbau mit Schichten in Abständen von mehr als 1 cm (nach Neuendorf et al., 2011)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares Gefüge ==> Sedimentärer Lagenbau ==> SchichtungPlanares GefügePrimäres planares GefügeSedimentärer LagenbauSchichtung_171220
306SchrägschichtungEine Schrägschichtung ist eine Schichtung mit schräg zum gesamten sedimentären Lagenbau verlaufenden Schichten (nach Reineck, 1984)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Primäres planares Gefüge ==> Sedimentärer Lagenbau ==> Schichtung ==> SchrägschichtungPlanares GefügePrimäres planares GefügeSedimentärer LagenbauSchichtungSchrägschichtung171221
307Sekundäres planares GefügeEin sekundäres planares Gefüge ist ein planares Gefüge, das im festen Aggregatszustand eines Gesteins, oder in einem partiell geschmolzenen Migmatit, durch Deformation und/oder metamorphe Prozesse gebildet wird (nach Passchier & Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares GefügePlanares GefügeSekundäres planares Gefüge___172000
308FoliationEine Foliation ist ein sekundäres planares Gefüge, das durch die Einregelung von subparallelen, planaren Mineralaggregaten, welche deutliche Variationen der mineralogischen, chemischen und/oder (mikro-)strukturellen Eigenschaften zeigen, definiert wird.Der Begriff ”Foliation“ wird manchmal als Synonym eines planaren Gefüges verwendet (vgl. Passchier & Trouw, 2005). Es wird jedoch empfohlen, Foliation als Typ eines sekundären Gefüges zu verwenden. Die hier vorgeschlagene Definition der Foliation ist ähnlich der ”gneissic foliation“ (oder ”gneissosity“), die in der englischsprachigen Terminologie verwendet wird (vgl. Twiss & Moores, 2007). Die Definition wurde aber um das sekundäre planare Gefüge erweitert, das sich durch Deformation und metamorphe Differentiation (metamorpher Lagenbau) oder Parallelisierung eines alten planaren Gefüges in ein neues (z.B. durch isoklinale Faltung oder intensive Scherung) bildet. Der Begriff ”Foliation“ sollte verwendet werden, um dassekundäre planare Gefüge eines Marmors oder eines Quarzits zu beschreiben, wenn dieses planare Gefüge einem ursprünglichen sedimentären Lagenbau entspricht (z.B. Lagen mit unterschiedlichen Farben und/oder mineralogischen Inhalt). Der Begriff ”Foliation“ sollte auch verwendet werden,um das sekundäre planare Gefüge eines Paragneises, Orthogneises, Amphibolits und Eklogits zu beschreiben, solange das planare Gefüge von Mineralaggregaten gebildet wird. Wenn das planare Gefüge durch die bevorzugte Orientierung von nicht-isometrischen Mineralkörnern definiert ist(vor allem in ultramylonitischen Gesteinen), sollte der Begriff ”Schieferung“ verwendet werden. In einem Gestein kann gleichzeitig sowohl eine Schieferung als auch eine Foliation ausgebildet sein. Dies ist in einem unreinen Marmor mit abwechselnden Kalzit- /Dolomit-dominierten Lagen (die eine Foliation definieren) und dünnen Glimmerschieferlagen (mit einer von Schichtsilikaten definierten Schieferung) möglich. In diesem Fall wird empfohlen die beiden planaren Gefüge separat (d.h. als Schieferung und Foliation) einzumessen und zu beschreiben, oder auf den übergeordneten Begriff ”Sekundäres planares Gefüge“ auszuweichen.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares Gefüge ==> FoliationPlanares GefügeSekundäres planares GefügeFoliation__172100
309SchieferungEine Schieferung ist ein sekundäres planares Gefüge, das durch die bevorzugte Orientierung von nicht-isometrischen (tafeligen oder prismatischen) Mineralkörnern wie z.B. Glimmer, Chlorit, Quarz und Kalzit definiert wird (nach Passchier & Trouw, 2005).Im Vergleich zur originellen (sic) Definition von Passchier & Trouw (2005), betrachtet die hier gegebene Definition nicht die Korngröße der Minerale, die das sekundäre planare Gefüge bilden. Die Körner können mit dem freien Auge erkennbar oder nicht erkennbar sein. Der Begriff ”Schieferung“ beinhaltet deshalb die Begriffe ”slaty cleavage“ und ”phyllitic cleavage“, die in der englischsprachigen Terminologie verwendet werden (vgl. Twiss & Moores, 2007). Zusätzlich wird hier der Begriff ”cleavage“ als Teil des Begriffes ”Schieferung“ betrachtet. Wenn das planare Gefüge in einem homogenen und reinen ultramylonitischen Kalzit-Marmor (bzw. Quarzit) von der bevorzugten Orientierung der Kalzit- (bzw. Quartz-) Körner gebildet wird, sollte der Begriff ”Schieferung“ verwendet werden. In einem Gestein kann gleichzeitig sowohl eine Schieferung als auch eine Foliation ausgebildet sein. Dies istin einem unreinen Marmor mit abwechselnden Kalzit-/Dolomit-dominierten Lagen (die eine Foliation definieren) und dünnen Glimmerschieferlagen (mit einer von Schichtsilikate definierten Schieferung) möglich. In diesem Fall wird empfohlen die beiden planaren Gefüge separat (d.h. als Schieferung und Foliation) einzumessen und zu beschreiben, oder auf den übergeordneten Begriff ”Sekundäres planares Gefüge“ auszuweichen.http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares Gefüge ==> SchieferungPlanares GefügeSekundäres planares GefügeSchieferung__172200
310AchsenflächenschieferungEine Achsenflächenschieferung ist eine Schieferung, die ungefähr parallel zur Achsenfläche einer Falte orientiert ist (nach Passchier & Trouw, 2005).Die Achsenflächenschieferung bildet häufig einen Fächer, wobei sich die Orientierung der Achsenflächenschieferung meist kontinuierlich von der einen zu anderen Faltenflanke ändert und sie nur zu den Achsenflächen der Faltenscharniere parallel verläuft (Reuther, 2012).http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares Gefüge ==> Schieferung ==> AchsenflächenschieferungPlanares GefügeSekundäres planares GefügeSchieferungAchsenflächenschieferung_172210
311Disjunktive SchieferungEine disjunktive Schieferung ist eine weitständige Schieferung, die keine Faltenscharniere zwischen den Schieferungsflächen aufweist (nach Passchier &Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares Gefüge ==> Schieferung ==> Disjunktive SchieferungPlanares GefügeSekundäres planares GefügeSchieferungDisjunktive Schieferung_172220
312KrenulationsschieferungEine Krenulationsschieferung ist eine weitständige Schieferung, die sich parallel zu den Achsenflächen der Mikrofalten eines älteren und verfalteten planarenGefüges bildet (nach Passchier & Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares Gefüge ==> Schieferung ==> KrenulationsschieferungPlanares GefügeSekundäres planares GefügeSchieferungKrenulationsschieferung_172230
313Stylolithisches planares GefügeEin stylolithisches planares Gefüge ist ein weitständiges, sekundäres planares Gefüge, das durch unregelmäßige, meist gezackte Oberflächen im Gestein, definiert wird. Diese Oberflächen entstehen durch lokalen Materialverlustin Verbindung mit Drucklösung (nach Passchier & Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfPlanares Gefüge ==> Sekundäres planares Gefüge ==> Stylolithisches planares GefügePlanares GefügeSekundäres planares GefügeStylolithisches planares Gefüge__172300
314ScherbandEin Scherband ist eine untergeordnete, dünne planare Zone intensiver und lokalisierter, nichtkoaxialer Deformation (nach Passchier & Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfScherbandScherband____180000
315C-Typ ScherbandEin C-Typ Scherband bezeichnet ein eng begrenztes und gerades (d.h. nicht-anastomisierendes) Scherband, das sich parallel zur Begrenzung der Scherzone entwickelt (nach Passchier & Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfScherband ==> C-Typ ScherbandScherbandC-Typ Scherband___181000
316C'-Typ ScherbandEin C'-Typ Scherband ist ein eng begrenztes, gekurvtes und anastomosierendes Scherband, das mit der Begrenzung der Scherzone einen Winkel bildet und in die Bewegungsrichtung einfällt (nach Passchier & Trouw, 2005)._http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=Berichte_138_gesamt.pdfScherband ==> C'-Typ ScherbandScherbandC'-Typ Scherband___182000