Mit Godfrid Wessely ehrt das Land Niederösterreich einen seiner profiliertesten Geologen, der nicht nur mit der Oberflächengeologie des Landes vertraut ist, er kennt aus seiner beruflichen Tätigkeit als Chefgeologe der Österreichischen Mineralölverwaltung auch den geologischen Tiefbau der bedeutenden geologischen Strukturen Niederösterreichs wie dem Wiener Becken, der Waschberg- und Molassezone und im Besonderen die kalkalpinen Bereiche.

Bereits in seiner Dissertation beschäftigt er sich mit einem Angelpunkt der Alpen / Karpatengeologie, mit den Hainburger Bergen und klärt dabei ebenso die tertiäre und quartäre Landschaftsgeschichte. Diese geologischen Aufnahmen setzt er als auswärtiger Mitarbeiter der Geologischen Bundesanstalt auf den Kartenblättern Baden, Neulengbach, Obergrafendorf, Hohenberg, Eisenerz und St. Pölten fort. Auf diesen Kartenblättern sind es vor allem die alpinen Bereiche die er bearbeitet, wobei ihm das Verständnis der Oberflächengeologie und die Tiefbohrungen zu Erkenntnissen führen, die nur aus der Zusammenschau beider Dimensionen möglich sind.

Bereits 1959 tritt er in die ÖMV-Aktiengesellschaft ein, wo er als Explorationsgeologe mit dem Hauptarbeitsgebiet "Kalkalpen" betraut und dann 1985 zum Chefgeologen befördert wird. Im Rahmen dieses Aufgabengebietes war es Godfried Wessely der erfolgreich den kalkalpinen Untergrund des Wiener Beckens aufgeschlüsselt hat und mit diesen Tiefbohrprojekten um 4.000 Meter die Voraussetzungen für die Exploration der reichen Gas und Ölfelder geschaffen hat. Seine gewagten Übertiefbohrprojekte, wie z.B. in Aderklaa, erkundeten den unter dem Wiener Becken und unter den Kalkalpen gelegenen Untergrund und trafen hier an der Basis das Kristallin des Waldviertels, das darüber liegende außeralpine Mesozoikum und das Tertiär der Molassezone, wie wir es bei Eggenburg obertags kennen, an. Dies erforderte nicht nur eine komplette Neuinterpretation der Tektonik, es wurden damit auch gewaltige Kohlenwasserstoff-Lagerstätten erschlossen. Mit diesen Erkenntnissen konnten nun auch gezielte Projekte in der Waschbergzone und im Bereich des Untergrundes der Molassezone erfolgreich abgeschlossen werde. Dies natürlich zur Freude seiner Firma, aber damit wurde auch der moderne Grundstein zur Aufschlüsselung des Baues der Alpen, der Molassezone und des Wiener Beckens gelegt.

Godfried Wessely hat all seine Erkenntnisse in zahlreichen Lehrveranstaltungen an den Universitäten Wien, Innsbruck, Salzburg und Leoben an Studierende weitergegeben und selbst eine Reihe von erfolgreichen Diplom- und Promotionsarbeiten nicht nur geleitet sondern mit Hilfe seiner Firma ermöglicht.

Selbstverständlich hat er neben unzähligen internationalen und nationalen Fachexkursionen, sowie bei Fachvorträgen seine Erkenntnisse in zahlreichen, viel beachteten wissenschaftlichen Arbeiten in angesehenen Zeitschriften vorgelegt. Ihm verdanken wir auch die einzigartige, 2006 erschienene, moderne "Geologie von Niederösterreich", ein Werk mit 416 Seiten, 655 Abbildungen und 26 Tabellen.

Neben einer Reihe nationaler Tagungen für verschiedene österreichische Fachvereinigungen hat Wessely 1994 für die "European Association of Petroleum Geoscientists and Engineers (EAGE)" und 1997 für die "Association of American Petroleum Geologists (AAPG)" in Wien Tagungen mit Führung von Exkursionen ausgerichtet.

Für seine Verdienste um die Geologie Österreichs wurden ihm zahlreiche Ehrenmitgliedschaften und Medaille verliehen. 2004 wurde er vom Bundespräsident mit dem Berufstitel "Professor" ausgezeichnet.

Godfrid Wessely wurde am 31. Jänner 1934 in Groß-Inzersdorf geborenen, hat die Mittelschule in Zwettl und Krems besucht und an der Universität Wien studiert, wo er 1959 promovierte. Er ist seit 1959 mit Frau Herta Lenauer verheiratet und hat 4 Kinder.

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