Die Österreichische Geologische Gesellschaft trauert um ihr Ehrenmitglied

wHR Univ.Doz. Dr. Hermann Kohl

(04. Jänner 1920 – 30. Dezember 2010)

Hermann Kohl wurde am 04.01.1920 als Sohn eines Kriminalbeamten in Linz geboren. Nach der 1938 mit Auszeichnung abgelegten Matura und einer verkürzten Dienstpflicht im Reichsarbeitsdienst inskribierte er im Herbst 1938 an der philosophischen Fakultät der Universität Wien Geographie und bald auch Geologie. Im Herbst 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, zuerst bei der Artillerie, später bei der Heeresflak und Infanterie. Nachdem er im Februar 1946 aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, nahm er trotz schwieriger Bedingungen sein Studium sofort wieder auf. Im Herbst 1946 legte er die Lehramtsprüfung aus Geographie und Geschichte auf der Universität Graz ab und trat im folgenden Jahr das Lehramt am Bundesrealgymnasium in Linz an, wo er 24 Jahre lang tätig sein sollte.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit widmete er sich seiner Dissertation mit dem Thema "Geomorphologie des mittleren Mühlviertels und des Donautales von Ottensheim bis Mauthausen". Im Mai 1952 wurde er an der Universität Graz zum Dr. phil. promoviert. Während dieser Arbeiten stieß er in Linz auf einen naturwissenschaftlichen Interessentenkreis, wo ihn u.a. der spätere Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums Dr. Freh und der Landesgeologe Dr. Schadler zu weiteren naturwissenschaftlichen Studien in Oberösterreich anregten. Für den Oberösterreich-Atlas erstellte er eine Reihe von Klimakarten, eine morphographische Karte und eine Karte der naturräumlichen Gliederung. Mit den Vorbereitungsarbeiten für die Österreich-Exkursion der Deutschen Quartärvereinigung 1955 verlagerte sich der Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zur Quartärgeologie.

Seine vielseitige wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit führte zur Mitarbeit in der Naturkundlichen Station der Stadt Linz und schließlich zur Berufung an das Oberösterreichische Landesmuseum. Im Herbst 1971 übernahm Hermann Kohl die geowissenschaftliche Abteilung des Museums, wo er erdwissenschaftliche Themen in die Ausstellung einbrachte und eine geowissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft sehr erfolgreich reaktivierte.

1977 habilitierte sich Hermann Kohl mit seiner Studie "Beiträge zur Quartärforschung von Oberösterreich" am Institut für Geographie der Universität Wien für das Gesamtgebiet der physischen Geographie, strebte jedoch keine Universitätslaufbahn mehr an. Bis 1985 hielt er aber regelmäßig Lehrveranstaltungen zur Landschaftsökologie Oberösterreichs und über aktuelle Landformungsprozesse in den Ost- und Westalpen sowie deren unmittelbarer Umgebung.

Anfang 1979 wurde Hermann Kohl Direktor des Oberösterreichischen Landesmuseums. Nach der Einrichtung des Schlosses als Schauhaus für die kulturhistorischen Sammlungen war seine Hauptaufgabe Vorbereitungen für die Wiedereinrichtungen des naturwissenschaftlichen Museumsbetriebes zu treffen, wofür sich aber das alte Francisco Carolinum in Linz als ungeeignet erwies. Knapp vor Erreichen des 65. Lebensjahres trat Hermann Kohl im Herbst 1984 in den dauernden Ruhestand. Auch in der Pension widmete er sich weiterhin der erdwissenschaftlichen Erforschung seiner Heimat.

Gleich wie im Oberösterreichischen Musealverein gehörte Hermann Kohl viele Jahre dem Vorstand der Österreichischen Geologischen Gesellschaft an, wofür ihm 1986 die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde.

Hermann Kohl wurde 1965 mit dem Theodor Körner-Preis ausgezeichnet. Ab 1973 war er Mitglied des Österreichischen Nationalkomitees der Internationalen Geographischen Union (IGU). 1975 wurde er zum Korrespondenten der Geologischen Bundesanstalt ernannt, 1982 zum Mitglied der Kommission für Quartärforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Für seine Tätigkeit am Oberösterreichischen Landesmuseum erhielt Hermann Kohl 1985 das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich. 2006 wurde er zum Ehrenmitglied der Österreichischen Geographischen Gesellschaft ernannt. 2002 feierte er die Verleihung des Goldenen Doktordiplom der Universität Graz.

Neben der Festschrift "150 Jahre Oberösterreichisches Landesmuseum" (1983) und der Broschüre "Erdgeschichtliche Wanderungen rund um Linz" (1973) ist das 487 Seiten starke Buch "Das Eiszeitalter in Oberösterreich. Abriß einer Quartärgeologie" (2000) wohl das Hauptwerk von Hermann Kohl. Von seinen insgesamt 130 Veröffentlichungen entfallen 80 auf spezielle fachwissenschaftliche Themen, 34 auf populärwissenschaftliche Beiträge und 16 auf Beiträge zur Museumsarbeit. Dazu kommen 35 Buchbesprechungen und 9 Nachrufe.

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