Die Österreichische Geologische Gesellschaft hat am 13. November 2014 ihre höchste Auszeichnung, die Eduard Suess-Medaille, Herrn Wolfgang Frisch (Tübingen/Wien) verliehen.

Durch seine umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten im Laufe seiner Karriere hat Wolfgang Frisch großen Einfluss auf das Verständnis der Bildung von Gebirgen, insbesondere der Ostalpen gewonnen. Kern seiner Arbeitsweise waren und sind immer noch fundierte Geländebeobachtungen und deren scharfe Analyse, unterstützt durch verschiedene analytische Labormethoden. Besonders hervorzuheben sind seine frühen Arbeiten zur Tektonik der Hohen Tauern und die erste vollständige plattentektonische Deutung der Alpen (1977), die heute immer noch in ihren Grundzügen gültig ist. Diese Erkenntnisse wurden durch die Deutung der Bildung der Morphologie der Ostalpen (ab 1998) später erweitert und verfeinert. Er hat teils allein, teils mit Mitarbeitern, aber insbesondere auch zusammen mit seinen von ihm betreuten Studierenden (Dissertationen, Masterarbeiten) zahlreiche innovative Beiträge zu zahlreichen anderen Gebirgszügen weltweit, aber auch zu Erzlagerstätten und Intrusivkomplexen geliefert. Dazu zählen frühe Arbeiten zu den Inselbogensystemen der arabischen Halbinsel und zu Vererzungen in Afrika und Grönland. Später kamen dann Arbeiten zum Himalaya-Tibet-System, Karpaten, Helleniden und zum Subduktionssystem Zentralamerikas dazu. Basis der kontinuierlichen wissenschaftlichen Arbeit sind aber bis zuletzt immer Beiträge zur Geologie der Ostalpen geblieben. Viele seiner selbst erarbeiteten, eigenen, breit gestreuten Kenntnisse plattentektonischer Prozesse sind in seinem einflussreichen Buch Plattentektonik zusammengefasst, das 1986 erstmals erschienen ist. Gerade dieses Buch hat viele Studierende für die Geologie und für die Plattentektonik begeistert und tut es immer noch. Wolfgang Frisch hat es auch immer verstanden, Studierende und Mitarbeiter für geologischen Forschung zu motivieren und hat dadurch viele aktive Geologinnen und Geologen geformt, die heute in wichtigen Positionen in der Praxis und in der Forschung in vielen Ländern, aber auch in Österreich arbeiten. Wolfgang Frisch hat auch große internationale Anerkennung z. B. durch die Verleihung der Hans-Stille-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG) für seine besonderen Verdienste um die Geologie erfahren

Wolfgang Frisch wurde 1943 in Wien geboren und absolvierte zwischen 1961 und 1967 das Doktoratsstudium der Geologie an der Universität Wien. Er war zwischen 1968 und 1974 Assistent an der Montanuniversität Leoben, wo er sich mit einer Arbeit über Wolframlagerstätten in Ruanda habilitierte. Zwischen 1974 und 1981 war zunächst Universitätsdozent, dann Universitätsprofessor an der Universität Wien bzw. an der Technischen Universität München und wurde 1981 auf die Professur Geologie an die Universität Tübingen berufen, wo er bis zu seiner Pensionierung 2007 eine große, erfolgreiche Arbeitsgruppe leitete.

Wolfgang Frisch mit Eduard Suess-Medaille geehrt

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